ALS
DIE UGANDABAHN
NAIROBI ERREICHTE ...
"Ein
Akt des Vertrauens... die
Erschließung des Kontinents..."
AUS
'COAST CAUSERIE' VON EDWARD
RODWELL
Coastweek --
"ES
BRINGT UNS nichts, wenn wir das tropische Afrika
mit unseren Fingern auf der Landkarte erobern,"
sagte einst Sir Winston Churchill.
"Die
Zivilisation muss ausgerüstet sein mit den
richtigen Maschinen, wenn sie diese wilden Gebiete
unter ihre Autorität bringen will."
"Eisenbahnen,
nicht menschliche Lastenträger; ständig laufende
Maschinen, nicht ermüdende Männer; billiger
Strom, nicht billige Arbeitskräfte; Dampf und
Wissen, nicht Schweiß und nutzloses Herumfummeln,
das ist der einzige Weg, um den Dschungel zu
zähmen."
Am
5. Juni 1899 erreichte die Ungandabahn Nairobi.
Lt.Col.
J.H. Patterson, Divisional Engineer, schrieb in
"The Man Eaters of Tsavo":
"Ich
war verantwortlich für diesen Abschnitt der
Bahnlinie, Nairobi sollte das Hauptquartier
werden, deshalb gab es enorm viel Arbeit zu
bewältigen, um eine absolut kahle Ebene in ein
geschäftiges Eisenbahnzentrum zu verwandeln."
Im
August 1899 wurde die Bahnlinie zwischen Mombasa
und Nairobi eröffnet.
Während
drei Jahren hatten Männer mit Busch, Wüste,
Hitze, Regen, Krankheiten, Tod, Schlamm und
steinharter Erde gekämpft und mit Pickeln,
Macheten und brutaler Gewalt die Geleise gelegt in
einem Gebiet, wo es von wilden Tieren wimmelte.
Die
Idee der Uganda-Eisenbahn wurde während der
Konferenz in Brüssel 1890 geboren und hatte den
Hauptzweck, den Sklavenhandel zu unterbinden.
Die
Kosten für den Bau der Ugandabahn wurden auf
3.685.400 Pfund Sterling geschätzt.
Es
wurde mit einem jährlichen Personenverkehr von
11.400 Passagieren gerechtet, die ein Einkommen
von 1000 Pfund bringen würden, und der Export von
Elfenbein, Weizen und anderem Getreide, Kaffee,
Tee und Erdnüssen wurde auf rund 10.000 Tonnen
geschätzt
Importe
aller möglichen Waren wurden als natürliche
Folge der Entwicklung des Landes erwartet.
Der
Transport einer Tonne Waren von der Küste nach
Uganda würde 180 Pfund Sterling kosten.
Dr.
George Whitehouse mit Erfahrung im Eisenbahnbau in
England, Natal, Indien, Mexiko und Südamerika
wurde zum Chefingenieur ernannt.
Material
wurde bestellt, Stahl-träger für Brücken,
Schwellen, Lokomotiven und rollendes Material,
damit die ersten hundert Meilen der
Eisen-bahnlinie in Angriff genommen werden konnten.
Primitive
Vorbereitungen wurden unternommen, um die Fracht
zu entladen in Kilindini, ein provisorisches
Holzpier errichtet, Schlepper und Leichter standen
zur Vergfügung.
Material,
das nicht vom See-wasser beschädigt werden konnte,
wurde vom Schiff aus ins seichte Wasser entladen
und bei Ebbe an Land gebracht.
Dann
konnte die erste Schiene gelegt werden. Die
Ingenieure, Arbeiter und Leute von Mombasa
versammelten sich, um der Zeremonie beizuwohnen
und die Reden anzuhören.
"Ein
Akt des Vertrauens... die Erschließung des
Kontinents..."
Der
Vertrauensakt bewährte sich, die Ungandabahn
half, den Sklavenhandel zu beenden und die Gebiete
zu entwickeln.
Die
Zeichen der Entwicklung waren rauchende
Lokomotiven, die Männer und Ausrüstung
transportierten weiter und immer weiter ins
Landesinnere.
Männer
starben während dem Bau der Eisenbahn und Männer
lebten wegen der Eisenbahn.
Hungersnot
war Vergangen-heit, Dörfer und Städte wurden
gebaut.
Die
Makupabrücke, eine 1732 Fuß lange provisorische
Holzkonstruktion, wurde am 4. August 1896
fertiggestellt; Schwellen und Platten wurden auf
dem Festland verlegt.
Hinter
dem Küstenstrich und in der Taru Wüste gab es
keinen Tropfen Wasser, es gab nur Dornen.
Sir
Guilford Molesworth sagte über diesen Abschnitt:
"Die
Erdarbeiten waren nichts im Vergleich mit der
Rodung des dichten dornigen Dschungels, Wurzeln
und Strünke mussten mühsam ausgegraben und die
Baumstämme weggezogen werden."
Dann
gab es ein Desaster nach dem anderen, um die
Arbeiten zu behindern.
Ein
Streik der Ingenieure in England verzögerte die
Lieferung von Lokomotiven und Waggons, in Indien
brach eine Epidemie von Beulenpest aus, was die
Entsendung von Arbeitskräften durcheinander
brachte.
Die
Angestellten und Arbeiter litten unter schwerer
Malaria, sie wurden von Sandflöhen befallen und
Tsetsefliegen attackierten die Zugtiere, die
Material zu den Arbeitern an der Front trans-portierten.
Aber
der Schienenweg wuchs; provisorische Brücken
wurden errichtet und Schwellen verlegt in Maji ya
Chumvi und Voi.
Schon
bevor der Bahnbau Voi erreichte, war die Eisenbahn
in betrieb.
Weniger
als ein Jahr nach der Verlegung der ersten Schiene
auf dem Festland ging der Verkehr bis zur Meile
65.
Während
dem Bahnbau richteten zwei menschen-fressende
Löwen Angst und Schrecken an unter den Arbeitern;
es wurden 27 Todesfälle registriert, aber
wieviele wirklich den Löwn zum Opfer fielen, ist
gar nicht bekannt.
Mr.
Patterson schrieb:
"Die
tapfersten Männer der Welt können ständigen
Terror dieser Art nicht auf unbegrenzte Zeit
aushalten; die Leute kamen von Indien mit einem
Vertrag, um für die Regierung zu arbeiten und
nicht als Futter für die Löwen."
Der
Bauleitung wurde ein Ultimatum gestellt; in
größter Panik warfen sich einige hundert
Arbeiter vor der Lokomotive auf die Schiene, um
den ersten fahrenden Zug anzuhalten.
Dann
besetzten sie mit ihren Habseligkeiten die Waggons,
um dem Ort zu entfliehen, der offenbar unter einem
bösen Fluch stand.
Drei
Wochen lang waren alle Arbeiten eingestellt.
Beim
Schwellenlegen gab es kaum Schwierigkeiten, die
Arbeiter konnten eine Meile pro Tag bewältigen,
wenn alles gut ging.
Aber
schwierige Ingenieur-arbeiten verursachten
Ver-zögerungen, wenn ein Bach nicht mit einem
provisorischen Damm überquert werden konne, bevor
eine richtige Brücke errichtet war.
Sir
Guildford Molesworth erwähnte in seinem
Inspek-tionsbericht an das Komitee der Uganda-Eisenbahn
:
"Der
Einfluss der Eisenbahn ist sehr auffallend, auch
in wenig versprechenden Gebieten.
"Die
lokale Bevölkerung hat bereits mit dem Handel
begonnen und ein Bedarf an Waren unter ihnen
nimmt ständig zu.
"Händler
lassen sich nieder rund um die verschiedenen
Bahnstationen und in Voi besteht bereits ein
florierender Basar."
Er
berichtete ferner: "zwischen Kilindini und
Mazeras verkehren täglich 7 Züge in beiden
Richtungen; zwischen Mazeras und Makindu
täglich 4 Züge; von Makindu nach Sultan Hamud
3 Züge in beiden Richtungen, einer kombiniert
für Material und Passagiere."
Im
April und Mai 1899 machten die Schienenleger
große Fortschritte über die relativ leicht zu
überwindende Ahti-Ebene.
Nairobi
war in der Nähe, ein Ort, der wegen seiner
günstigen Lage als Eisenbahn-Haupt-quartier und
Basis für die weitere Konstruktion bis zum
Viktoriasee ausgesucht worden war.
Im
Juni war der Abschnitt fertig, der die Küste mit
dem Hochland verband.
Auf
der Ebene gab es riesige Herden von Zebras und
Gnus, die nur einen Steinwurf entfernt von den
Bahnarbeitern ungestört ästen.
Nairobi
war nun erreicht, das Ziel der letzten drei Jahre,
wo wilde Tiere wohnten und der eingleisige
Schienenstrang endete.
Es
war der Ort, wo nach einem halben Jahrhundert die
Hauptstadt von Kenia entstand, eine Stadt in einem
Land, das hauptsächlich durch die Eisenbahn
entwickelt werden konnte und die öde Landschaft
in ein Land mit großem Potenzial verwandelte.
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